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Die Wiener Secession: Eine Einrichtung zeitgenössischer Kunst, wie sie kein zweites Mal existiert
Mit ihrer kugelrunden Kuppel prägt die Secession seit mehr als 125 Jahren das Stadtbild Wiens. In der Zeit gab es jede Menge Skandale – und grandiose Ausstellungen. Das Porträt einer Institution, die in der Kunstwelt einmalig ist
Die beiden Vorstandsmitglieder Ramesch Daha und Wilfried Kühn erzählen von ihren Tätigkeiten in der Wiener Secession und ihrer historischen Bedeutung.
liebt den Skandal. Und das war schon immer so. Heute ist er weltberühmt, aber als Joseph Maria Olbrichs Pavillon der Secession eröffnet wurde, da regnete es Kritiken – und nicht wenige davon erfüllten den Tatbestand der Beleidigung. Dieses Bauwerk sei ein „Tempel für Laubfrösche“, hieß es. Ein „Krematorium“. Eine „Bedürfnisanstalt“, eine Mischung aus „Glashaus und Hochofen“ und natürlich (was sonst?) ein „Attentat auf den guten Geschmack“.
Im Detail erkennt man, dass die Ornamentik der Lorbeerkuppel der Fassade sogar im Inneren plastisch ausgearbeitet ist.
Die Heilige Kraft des Schocks
Die Kunst der Abtrünnigen, die sich ein Jahr zuvor mit lautem Knall vom bis dahin maßgeblichen Wiener Künstlerhaus losgesagt hatten, löste freilich andere Reaktionen aus. Die Premierschau fand unter der Ägide des ersten Vorsitzenden Gustav Klimt statt, nicht im Olbrich-Bau am Naschmarkt, sondern in der kaiserlich-königlichen Gartenbaugesellschaft. „Eine solche Ausstellung haben wir noch nicht gesehen“, schwärmte der Schriftsteller Hermann Bahr, „eine Ausstellung, in der es kein schlechtes Bild gibt. Eine Ausstellung in Wien, die ein Résumé aller modernen Malerei ist.“
Die Fassadenornamente von Koloman Moser stellen unteranderem Eulen und Lorbeerkränze dar.
Bis heute ist die Secession eine Einrichtung, wie sie in der Kunstwelt kein zweites Mal existiert. Sie ist eine Vereinigung von Künstlerinnen und Künstlern für Künstlerinnen und Künstler, organisiert und geleitet von Künstlerinnen und Künstlern. Sie ist kein Kunstverein, in dem man Mitglied werden kann, und keine Akademie der Künste, in der Honoratioren Angestellte die Arbeit machen lassen. Mitglied der Secession wird man, indem andere Mitglieder einen vorschlagen. Eine andere Möglichkeit, Teil von ihr zu werden, gibt es nicht. „Die Secession ist ein Kollektiv mit einem Vorstand, in dem alle – auch ich – das gleiche Stimmrecht haben“, erläutert die Künstlerin Ramesch Daha, seit drei Jahren Vorsitzende des Gremiums. Dessen derzeit 13 Mitglieder entscheiden gemeinschaftlich, welche Ausstellungen im Olbrich-Bau laufen.
Über dem Haupteingang der Secession ragt ein dekorativer Fries an der Fassade hervor.
„In der Secession zu sein, ist eine sehr ehrenvolle Aufgabe“ Wilfried Kühn
Dies bedeutet aber nicht, dass die Secession ein Selbstbedienungsladen ist. Ausstellungen von Mitgliedern oder vom Vorstand sind die absolute Ausnahme. „In der Secession zu sein, ist eine sehr ehrenvolle Aufgabe“, sagt der in Wien und Berlin ansässige Architekt Wilfried Kühn. Auch er ist im Vorstand und weiß: „Es ist allen klar, dass die Secession nicht dazu dienen kann, eigene Interessen zu verfolgen. Man setzt seine Kraft für andere ein, da muss man schon eine gewisse Reife mitbringen. Aber es ist auch so, dass niemand von uns erst am Anfang der Karriere steht.“ Und der Wiener Künstler Jun Yang, Vorstandsmitglied wie Kühn, ergänzt: „Der besondere Reiz der Secession liegt darin, dass es uns möglich ist, Wettbewerb zuzulassen. Nicht uns selbst zu fördern, sondern unsere Konkurrentinnen und Konkurrenten.“
An diesem Tisch wird Geschichte geschrieben, zumindest die der Secession. Die Amtszeit des Vorstandes beträgt zwei Jahre, kann aber verlängert werden.
In der Secession wurde erstmals zeitgenössische Kunst ausgestellt. Historisch gesehen war die Secession das erste Ausstellungshaus in Europa, das ausschließlich zeitgenössische Kunst präsentierte. Alle übrigen Institutionen in München und Berlin, in Paris und London, wurden deutlich später gegründet. Das heißt nicht, dass es kein Auf und Ab gab. Den Architekten der Secession, Joseph Maria Olbrich, einen Schüler Otto Wagners, vergraulten die Wiener so sehr, dass er dem Ruf des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen folgte und nach Darmstadt ging, um auf der Mathildenhöhe sein Meisterwerk zu erschaffen. Sein Wiener Bau wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und eher notdürftig wiederaufgebaut.
Mitte der 1980er-Jahre restaurierten Adolf Krischanitz und Otto Kapfinger das Gebäude. Dem gingen intensive Forschungen zum Originalzustand voraus – damals ein Novum. Dies hielt die beiden nicht davon ab, das Ganze mit Humor zu sehen: Das Vorstandsbüro etwa stellten sie „auf den Kopf“: Die Regale haben ihre Füße an der Decke, die Türen sind um 180 Grad gedreht. Auch die Möbel entwarf Krischanitz, im postmodernen Stil der Zeit, als rötliches Holz und die Farbe Türkis schwer in Mode waren. Später wurde seine Formensprache minimalistischer.
„Einen Wiener zu schockieren, hat oft etwas sehr positives.“ Ramesch Daha
Rettung nahte erst Mitte der Achtzigerjahre – in Gestalt der Architekten Adolf Krischanitz und Otto Kapfinger, der sich später einen Namen als Theoretiker machte. „Bei der Sanierung ging es auch darum, eine Teilhabe der Secession an der Gegenwart zu definieren“, erklärt Wilfried Kühn, der selbst eine Zeit lang im Büro von Krischanitz gearbeitet hat. Gleichzeitig stellten er und Kapfinger Nachforschungen zum ursprünglichen Zustand des Hauses an, damals ein Novum. Ein Untergeschoss entstand, um dort Klimts Beethoven-Fries zeigen zu können. Die beiden gestalteten auch das Büro des Vorstandes, nicht ohne es „auf den Kopf zu stellen“, wie Ramesch Daha berichtet. Und zwar buchstäblich: So haben die Regale ihre Füße oben unter der Decke, und auch die Türen sind einmal um 180 Grad gedreht.
Adolf Krischanitz leitete auch die letzte Restaurierung ab 1999.
Nun, da die Secession mehr als 125 Jahre überstanden hat, wie beurteilen die Vorständler den Sturm der Entrüstung, den ihr Haus bei der Eröffnung 1898 hervorrief? „Einen Wiener zu schockieren“, sagt Ramesch Daha, „hat oft etwas sehr Positives.“
Zwei von 13 aus dem Vorstand: die Künstlerin Ramesch Daha und der Architekt Wilfried Kühn. Dessen Mitglieder entscheiden über die Ausstellungen in der Secession; mittlerweile werden dort natürlich auch Videos und Installationen gezeigt.
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