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Renovierung: So belebte Laura Karasinski eine 400-Quadratmeter-Wohnung in einem Wiener Stadtpalais neu
Renovierung mit Feingefühl und Respekt vor dem Bestand: Dieses 400 Quadratmeter große Juwel in Wien ist heute eine zeitgenössische Hommage an die Zeit der Jahrhundertwende
AD100-Interiordesignerin Laura Karasinski brachte während einer Renovierung in einem Wiener Palais verschollene Schätze zum Vorschein.
Laura Karasinski zum ersten Mal die zweigeschossige Wohnung in einem Wiener Stadtpalais aus dem späten 19. Jahrhundert betrat, war sie verzückt von den imposanten Vertäfelungen, dem reich verzierten Stuck und der teilweise noch originalen Möblierung. Ihren Auftrag kannte die Interiordesignerin da bereits: Sie sollte den teils denkmalgeschützten Räumen zu einer Renaissance verhelfen. Ihnen etwas Seele zurückgeben. Solche Wohnungen voller Historie, das wusste sie, sind selbst in Wien – immerhin die Wiege der Moderne – äußerst selten.
Um möglichst viel über den Erbauer des Hauses zu erfahren, interviewte sie sogar dessen Nachfahren. Das Keramikbecken im Flur gehört noch zur Originalausstattung.
Laura Karasinski belebte den ehemaligen Zauber in einem Wiener Stadtpalais wieder
Während die Vorbesitzer:innen in reduziertem Grau und Beige lebten, das in starkem Kontrast zu den denkmalgeschützten und somit unantastbaren Räumen stand, wollte Karasinski ein Interior komponieren, das der Ursprungsidee des Erbauers gerecht wurde. Deshalb tauchte die -Designerin in die Wiener Stadtarchive ab, fand historische Aufnahmen der Wohnung und sammelte jede auffindbare Information über den ersten Bauherren des Hauses. Er wird in dieser Geschichte bewusst ausgeklammert, weil die Auftraggeber:innen, eine Familie mit jungen Kindern, anonym bleiben möchten und sein Name den Standort des Hauses verraten würde.
Wände und Schränke verkleidete Karasinski mit Dedar-Stoff. Laura Karasinski liebt das Wien der vorletzten Jahrhundertwende, sie kennt sich aus mit ihren Protagonist:innen, all den Kreativschaffenden und Kunsthandwerker:innen, die Wien um 1900 zum Epizentrum des Fin de Siècle machten. Von ihren Auftraggeber:innen, die diese Begeisterung teilen, bekam sie den Schlüssel, acht Monate Zeit und eine Carte blanche, die auf Vertrauen fußte. „Wir haben die Wohnung innerhalb von acht Monaten pünktlich fertiggestellt – dank vereinter Teamarbeit und meiner exklusiven Projektbetreuung, da die Kundschaft noch im Ausland wohnte und ich zusätzlich als stellvertretende Bauherrin agierte“, sagt die Interiordesignerin, die ihr Atelier Karasinski 2012 gründete und jüngst The Archive eröffnete, eine
Die Interiordesignerin Laura Karasinski im Schlafbereich der doppelgeschossigen Wohnung.
Restauratoren brachten verschollene Schätze zum Vorschein
Als Schatzmeisterin in spe stellte Karasinski für die Renovierung einen Trupp aus den besten Kunsthandwerker:innen Wiens zusammen, darunter den Möbelrestaurator Markus Ladstätter, der auf denkmalgeschützte Restaurierung spezialisiert ist und, wie sie betont, „ein wandelndes Lexikon“ sei. Er nahm sich diverser Holzvertäfelungen und des grünen Salons an. Dessen Grüntöne „schillern wie ein Skarabäus. Die Wände wurden einst mit Echtsilber tapeziert und dann mit grüner Farbe überstrichen, sodass der schimmernde Effekt entsteht“, schwärmt die Designerin.
Filigrane Fresken, goldene Ornamente und grüner Samt zieren das edle Lesezimmer. Heute dient der grüne Salon als Ruhe- und Leseraum. Nur zwei kunstvolle Ziergeländer und ein schwerer Samtvorhang trennen ihn vom Schlafzimmer. Aus dem von Karasinski entworfenen, übergroßen Bett, dessen Kopfteil mit Loro-Piana-Alpakawolle bezogen wurde, wirkt es fast, als würde man auf ein altes Stillleben blicken.
Im Schlafzimmer treffen Minimalismus auf Historismus. Über dem modernen Bett vor dem edlen Marmorkamin hängt ein prächtiger Kronleuchter.
Lediglich die Farbe der Wand und die Bezüge der Stühle durften im denkmalgeschützten Esszimmer verändert werden. Die Sitzmöbel von 1900 bezog Karasinski mit neutralem, weißem Stoff, der als eine Art Leinwand dienen soll. Rotweinflecke? Sind willkommen. Über dem Esstisch hängt ein Luster von Lobmeyr aus den Dreißigern.
Die Interiordesignerin Laura Karasinski im Schlafbereich der doppelgeschossigen Wohnung.
„Alle historischen Einbauten sind denkmalgeschützt. Der grüne Salon wurde einst angeblich auf einer der Weltausstellungen präsentiert und danach behutsam nach Wien zurückgebracht.“ Laura Karasinski
Auch in der oberen Etage finden sich denkmalgeschützte Räume, hier mit dunklen Holztäfelungen. Die alten Einbauten und Stühle seien wegen ihres hohen Alters zwar nicht perfekt für das heutige Leben geeignet, aber extrem gut erhalten. Die Esszimmerstühle bezog die Interiordesignerin bewusst mit einem weißen, „unordentlich angesteppten“ Stoff. „Wir wollten einen Bruch zum schon etwas ritterlichen Charakter des Raumes setzen. Hier sollen auch Feste und Partys gefeiert werden. Der weiße Stoff ist die Leinwand für all die neuen Geschichten, die hier noch erzählt werden.“
Einladung zur Zeitreise:Das alte Frühstückszimmer erinnert an ein längst verschwundenes Wien der Zeit vor 1900. Frühere Baumaterialien werden wie in einem Reliquienschrein weiterhin geehrt.
Im einstigen Frühstückszimmer, wo wie im Esszimmer bis auf die Wandfarbe und die Polsterung der Stühle nichts verändert werden durfte, fand man bei der Renovierung ein kleines Stück der originalen Tapete, das nun gerahmt an der Wand hängt. Und bei der Restaurierung des denkmalgeschützten Parketts in der Küche bargen sie einen Zahn und ein Stück Kiefer, „vermutlich, weil man damals alte Knochen als Baumaterial benutzte“. Auch dieses Fundstück ziert jetzt als Relikt die Wände.
Bei so viel Heritage hielt Karasinski die offene Küche ganz zeitgenössisch: Über dem Quarzit-Küchenblock schweben wie von Geisterhand Ingo-Maurer-Leuchten in Kerzenform.
Die offene Küche ist eindeutig zeitgenössisch: Der große Küchenblock wurde mit Verde Lapponia verkleidet, darüber schwebt eine ganze Staffel von „Flying Flames“, LED-Kerzen des Licht-Poeten Ingo Maurer. Die Restaurierung aller denkmalgeschützten Böden übernahm Antique Parquet.
Kosten wurden auf den 400 Quadratmetern nicht gescheut, obgleich das nicht bedeutet, dass Karasinski bei der Möblierung jedes Maß verlor. „Wir arbeiten immer mit Vintage-Möbeln. Viele Luster, Spiegel und Wandleuchten haben wir gemeinsam mit dem Kunden an der Pariser Serpette ausgesucht. Einige Stücke fanden wir in Wien und bezogen sie neu, wie den roten Samtsessel aus den 1980ern im Schlafzimmer.“
Aus dem Schlafzimmer blickt man in den grünen Salon – heute ein Lese- und Ruheraum. Der rahmende Vorhang ist von Kohlmaier Wien.
Für das Kinderzimmer entwarf Laura Karasinski maßgefertigte Stockbetten. Die Betten im Kinderzimmer (vier an der Zahl, für Übernachtungspartys und Familienbesuche) sind ein Maßentwurf der Wienerin. Sie beweisen Karasinskis Liebe zum Detail: Das Motiv der Bettvorhänge basiert auf den Verpackungen der Wiener Bonbonmanufaktur Altmann & Kühne, die dafür ihr Einverständnis gab. Karasinski ergänzte den alten Entwurf der Wiener Werkstätte um Illustrationen der Familie und machte sie so zu einem Teil des historischen Musters.
Die von Laura Karasinski entworfenen Stockbetten fügen sich nahtlos an die zarten lilafarbenen Wände des Kinderzimmers an.
Auf Rugvistas „Stepping Stones“-Teppichen im Spielzimmer thront ein Vintage-Lounger, den die Interiordesignerin in Parma fand. Der Schrank gehört – wie auch die Deckentäfelung – zur ursprünglichen Ausstattung der Wohnung. Im Kontrast dazu hängt an der Wand eine kleine Leuchte von In Common With.
Ein Ankleidezimmer aus feinstem Palisanderholz
Besonders stolz ist sie auch auf den begehbaren Kleiderschrank, der sich so nahtlos in die Räume einfügt, dass man denken könnte, er wäre schon immer dort gewesen. „Aus 150 Quadratmetern Palisanderholz haben wir einen Raum erschaffen, der an eine alte Boutique wie Knize Wien erinnert. Kohlmaier Wien fertigte eigens für dieses Zimmer feine Seidenkarniesen und Samtvorhänge an.“
Der komplett aus Palisander gefertigte begehbare Kleiderschrank sollte ein Gefühl vermitteln wie der Besuch in einer alten Wiener Boutique. Alle Wandhaken aus Messing sind Vintages der Wiener Designinstitution Carl Auböck.
„Für uns war es die größte Freude, die Seele des Hauses wiederzufinden, die unter Schichten beiger Wandfarbe verschollen war.“ Laura Karasinski
Bisweilen glich die Renovierung eher einer Rückversetzung: Für das En-suite-Bad ließ Karasinski sich vom herrschaftlichen Badezimmer inspirieren, das hier einst gestanden haben muss, bevor es im Laufe der Zeit in einen „eintönigen Waschraum der 2000er“ verwandelt wurde. „Es ist schade, wenn Bauten wie dieser totrenoviert werden. Unsere Arbeit war stets von Intuition und dem Respekt vor dem Bestand geprägt.“ Beim Fund von Archivfotos habe sich übrigens herausgestellt, dass die ursprünglichen Farben des Hauses – darunter satte Grüntöne und gedämpfte Pflaumenfarben – fast genau denen entsprachen, die sie und ihr Team intuitiv ausgewählt hatten. „Für uns war es die größte Freude, die Seele des Hauses wiederzufinden, die unter Schichten beiger Wandfarbe verschollen war.“
Das En-suite-Bad mit Keramik von Devon & Devon errichtete Karasinski als Hommage an das ursprüngliche Badezimmer, das hier um 1900 in ähnlicher Form existiert haben muss.
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