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Umbau einer Jugendstil-Villa in Klosterneuburg bei Wien: So bringt Patricia Tschen kalifornisches Lebensgefühl in das historische Haus
In dieser Jugendstil-Villa im Wiener Umland lebte einst der österreichische Filmregisseur Peter Patzak. Seine Nachfahren verliehen dem Haus eine Prise kalifornisches Flair
Jugendstil-Villa im Umland von Wien: Hier ließen die Kinder des österreichischen Filmregisseurs Peter Patzak gemeinsam mit der Innenarchitektin Patricia Tschen kalifornisches Flair einziehen.
Zwischen Donau und dem üppigen Grün des Wienerwaldes liegt Klosterneuburg bei
Wien
, dessen Ortsbild von prunkvollen historischen Gebäuden und modernen Villen geprägt ist. Ein besonders bemerkenswertes Exemplar ist eine Jugendstil-Villa mit kunstvoll geschwungenem Vordach aus Eisen, die auf prominente Bewohner zurückblicken kann. Unter ihnen ist der österreichische Filmregisseur Peter Patzak, bekannt für seine satirische Krimiserie „Kottan ermittelt“. Patzak war nicht nur ein gefeierter Regisseur mit zahlreichen Auszeichnungen, darunter der Regiepreis der Biennale in
Venedig
, sondern auch ein bildender Künstler, der den hinteren Teil des Hauses als Atelier nutzte. Seine transatlantischen Verbindungen zu Künstlern wie Kiki Kogelnik und Eduard Angeli zeugen von einem kreativen Erbe, das nun von seinen Kindern fortgeführt wird.
Die neuen Eigentümer sind die Kinder von Peter Patzak, die in diesem Haus aufgewachsen sind und es als einen Ort voller Erinnerungen betrachten. Für die Neugestaltung beauftragten sie die Wiener Innenarchitektin Patricia Tschen. Besonders wichtig war es ihnen, achtsam mit den Spuren der jüngeren Vergangenheit umzugehen und gleichzeitig einen klaren Blick in die Zukunft zu wagen. Die neuen Besitzer, die in der Kreativindustrie von
Los Angeles
tätig sind und namhafte Technologieunternehmen wie Google und IBM zu ihren Kunden zählen, bringen frische Ideen und einen Hauch kalifornischen Lebensgefühls in das Design des Hauses.
Der lange Esstisch mit Steinplatte lässt sich flexibel nutzen: Der kürzere Teil ist vom Gewicht so bemessen, dass er von zwei Personen bewegt werden kann und bei einer Drehung um 90 Grad als Anrichte fungiert. Auf diese Weise müssen kleinere Gesellschaften nicht an einer überdimensionierten Tafel speisen, sondern können eine intimere Atmosphäre genießen.
Das genaue Baujahr der Villa ist zwar nicht bekannt, jedoch wurde die Villa 1904 im Auftrag von Eduard Voitus van Hamme mit ornamentalen Jugendstil-Elementen von Architekt Edmund Czada ergänzt. Aus diesem Grund trägt das Gebäude den Namen:
Villa Van Hamme
Jugendstil-Villa mit kalifornischem Komfort
Die neuen Eigentümer setzen zudem die Tradition fort, internationale Vertreter aus Kultur und Politik an diesem Ort zusammenzubringen – eine Offenheit, die sich auch in ihrer eklektischen Kunstsammlung widerspiegelt. So hängen Gemälde aus dem Kunsthaus Gugging, einer Wiege des Art brut, nur etwa 20 Minuten Autofahrt von Klosterneuburg entfernt, neben Arbeiten von Alfred Hrdlicka, einem kontroversen antifaschistischen Künstler, sowie klassischer Landschaftsmalerei der Donaugebiete.
Die
Küche
nimmt ebenfalls eine kommunikative Funktion ein und dient nicht nur der Essenszubereitung, sondern wird durch ihren offenen Schnitt und die zentrale Lage zum geselligen Treffpunkt. Den ehemaligen Dienstboteneingang funktionierte Tschen zu einer gemütlichen Frühstücksnische um – inspiriert vom typischen
amerikanischen Diner
. Auch im Garten könnte man für einen Moment beinahe vergessen, dass man sich im Wiener Umland befindet. Der neu angelegte, großzügige Pool verströmt kalifornisches Flair. Der umliegende Garten wurde teilweise erhöht, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen.
Den Mittelpunkt des Wohnzimmers bildet der Kamin mit grünem Glasmosaik: „Vitreo Trend“. Der weiße Zweisitzer „Margas“ ist von &Tradition, die rostrote Bank „Diwan“ von Sancal wurde mit Kvadrat-„Remix“-Stoff bezogen. Eine Maßanfertigung aus Indien ist der fünfarmige bewegliche Deckenfluter aus Messing mit schwarzen, weißen und goldenen Elementen.
Kunst spielt eine wichtige Rolle im Haus. Links (angeschnitten): Oswald Tschirtner „Menschen“ von 1988, in der Mitte: Richard Harlfinger von ca. 1920 Rechts: Alfred Hrdlickas „Forscherperspektive“ von 1974. Die blaue Chaiselongue „Vancleef“ mit weißer Kontrastnaht ist von José Leite de Castro. Der Couchtisch aus schwarzem Metall mit getrommelter Oberfläche von Wayfair.
Das heimliche Highlight des Hauses ist die Bar
Das gestalterische Highlight im Inneren des Hauses ist eindeutig die Bar. „In diesem Raum fanden wir unter dem PVC-Boden einen alten rot-weißen Zementfliesenboden, der sofort das Potenzial für eine besondere Gestaltung offenbarte“, sagt Tschen. Die Innenarchitektin entschied sich dazu, den Raum nicht wie eine Bar dunkel, sondern hell zu gestalten und die Dramatik für den Abend durch getönte Spiegel, grünes Glas, Bronzeakzente und gezielte Lichtgestaltung zu inszenieren. Als Sitzgelegenheit wählte sie eine L-förmige Bank, kombiniert mit zwei unterschiedlich großen Bistrotischen. Die unkonventionelle Tischanordnung verjüngt sich zum Garten hin und öffnet den Blick ins Grüne. Die Bar bietet tagsüber durch das natürliche Tageslicht und abends durch gezielte Beleuchtung ganz unterschiedliche Stimmungen. So entstand ein flexibler Raum, der sich im Laufe des Tages immer wieder anders anfühlt und eine besondere Atmosphäre schafft – je nach Tageszeit und Lichtquelle.
Das neue Lichtkonzept für Innen- und Außenbereiche schafft verschiedene Lichtstimmungen: „Eine bedeutende Veränderung ist, dass dekorative Leuchten nicht mehr die tragende Aufgabe der Raumbeleuchtung übernehmen“, was insbesondere in hohen Räumen eines Altbaus problematisch sein kann. „Der Mix aus Vintage-Leuchten, die dekorative Akzente setzen, und hochwertigen Strahlern, die gezielt die Kunstsammlung ins rechte Licht rücken, trägt wesentlich zur Verbesserung der Atmosphäre bei“, sagt die Innenarchitektin.
Ein Glücksfund: Unter dem PVC-Boden in der Bar kam ein alter, rot-weißer Zementfliesenboden zum Vorschein.
Die L-förmige Sitzbank ist eine Anfertigung mit Samt-Polsterstoff von Osborne & Little in „Blush“. Darüber italienische Muranoglas-Vintageleuchten aus den 70ern. „Sessel Nr. 24“ von Michael Thonet aus dem Jahr 1859, Bistrotische mit Tischplatten aus Quarzit Taj Mahal.
Für die Rückwand der Bar verwendete die Innenarchitektin Kathedralglas, das auch in den historischen Buntglasfenstern zu finden ist.
Marmor weckt nostalgische Erinnerungen an die 80er-Jahre
Um das Gesamtbild im Zuge der umfassenden Renovierung zu erhalten und wieder zu rekonstruieren, engagierte die Innenarchitektin einen Bautischler, der die bestehenden Doppelfenster aus Holz sowie Türen renovierte. Ein weiterer Bautischler wurde beauftragt, Fenster und Türen exakt nachzubauen, wo neue Durchbrüche entstanden. Dies war entscheidend für den Erhalt des eleganten und verspielten Charakters des Gebäudes. Für die Inneneinrichtung legte sie den Fokus auf zwei Materialien: Samt und matt gebürsteter Naturstein. Samt ist ein vielseitiges Textil, das sowohl zeitgenössisch als auch klassisch interpretiert werden kann. Auf Bänken wurde auf Schmutz abweisende Oberflächenbehandlung geachtet; an anderen Stellen wurde mehr Glanz oder Struktur zugelassen – etwa durch die Kombination von Samt mit Messing. Einige der originalen Materialien mussten gehen, die Steinfliesen, mit denen das Gebäude ausgelegt war, beispielsweise ersetzte die Innenarchitektin durch Parkettboden, um mehr Einheitlichkeit, aber vor allen Dingen Behaglichkeit zu schaffen.
In den 80er-Jahren wurde das Haus großzügig mit hochglanzpoliertem Granit und Marmor verkleidet. „Heute wirkt dieses Material aus der Zeit gefallen“, findet Tschen. „Aus nostalgischen Gründen entschieden wir uns, den glänzend polierten Marmor in einigen Bereichen als Zitat der 80er beizubehalten, und ergänzten andere Oberflächen mit Quarzit, der durch eine matte Oberflächenbearbeitung seine natürliche Ausstrahlung behält.“ Eine besondere Herausforderung stellte die Beschaffung eines speziellen Kathedralglases dar, das für eine grüne Rückwand in der Bar eingeplant war – das gleiche Glas, das auch in den historischen Buntglasfenstern zu finden ist. Das Material mit Lufteinschlüssen und Unebenheiten wird heutzutage nicht mehr hergestellt. Nach intensiver Recherche fand man schließlich einen Glaser in Leipzig mit einem Restbestand. Ein Glücksfall: „Da das Glas sehr dünn war, nahm der Glaser das Material nach Österreich mit, als er zum Skifahren fuhr“, schildert die Innenarchitektin die unkonventionelle Materialbeschaffungsmaßnahme.
Teil der Küche ist auch der ehemalige Dienstboteneingang, der zu einer gemütlichen Frühstücksnische umfunktioniert wurde. Diese erinnert in ihrer Typologie an ein amerikanisches Diner.
Raum für Gespräche ergeben sich überall im Haus, so wie auch an der Kücheninsel mit Barhockern. Die Insel ist aus dem Quarzit Taj Mahal in matter Lederoptik gefertigt.
Diese schillernden Persönlichkeiten beherbergte das Haus im Laufe der Jahre
Besonders bemerkenswert ist, dass das Gebäude im Laufe der Jahre zahlreiche faszinierende Persönlichkeiten beherbergte, die ihrer Zeit weit voraus waren und ein kosmopolitisches Leben führten. Unter ihnen befand sich der holländische Ballettmeister Eduard Voitus van Hamme, der nicht nur zwischen Paris und New York auftrat, sondern auch an die Wiener Hofoper berufen wurde. In Wien unterrichtete er zudem die Kinder von Kaiserin Elisabeth. Van Hamme war es, der das Gebäude mit fantasievollen Details ausstattete und ihm so eine einzigartige Note verlieh. Aus diesem Grund trägt das Haus den Namen Villa Van Hamme.
Ein weiterer bedeutender Bewohner war Gustav Tauschek, ein österreichischer Pionier der Informationstechnik. Er gilt als Erfinder des Lochkarten-Buchungssystems, dessen Patent er später in den USA an IBM verkaufte. Diese Erfindung legte den Grundstein für den Unternehmenserfolg von IBM und stellt einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Informationstechnologie dar. Interessanterweise stammen die letzten erhaltenen Pläne des Gebäudes vom Bauamt und wurden 1937 dort hinterlegt, während Tauschek die Erweiterung des Hauses von New York aus organisierte, wo er für IBM tätig war.
Ideale Integration in die Umgebung
„Es war eine bewusste Entscheidung, den Blick auf das Haus nicht durch hohe Hecken zu versperren“, erklärt die Innenarchitektin. „Der Gedanke dahinter war, den Bewohnern der Gemeinde einen Teil des historischen Erbes zugänglich zu machen. Daher wurden die neuen Hecken direkt vor der Fassade gepflanzt, um einen Blick auf das Gebäude zu ermöglichen und gleichzeitig die Privatsphäre zu wahren.“ Der rückseitige Garten hat sich durch seine Gestaltung und Lage zu einem wunderbaren Ort der Ruhe und Entspannung entwickelt.
Ankleide mit Sitznische in dunkelblauem Samt.
Der Besitzer wünschte sich eine frei stehende Badewanne. Tschen positionierte sie im schrägen Winkel, sodass die badende Person einen perfekten Blick durch das Fenster auf die alte Rotbuche hat. Der für die Wanne notwendige Warmwasserspeicher befindet sich im Homeoffice auf der anderen Seite der Badezimmerwand.
Mehr Komfort schaffen maßgeschneiderte Stauräume, die es erleichtern, Ordnung zu halten, Steckdosen wurden geschickt integriert, um Geräte beim Laden unsichtbar zu machen, so wie hier im Homeoffice.
Der neue Pool des Hauses verströmt kalifornisches Flair …
… wohingegen das Äußere der Villa, insbesondere das markante, geschwungene Eisenvordach, durch den Jugendstil geprägt ist.
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