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Umbau in Venedig: So nutzte Daniele Daminelli die Macht der Farben
Daniele Daminelli sollte ein einfaches Haus in Dorsoduro mit einem Umbau in die Gegenwart befördern. Dafür feuerte er ein Farbfeuerwerk ab!
Umbau mit einer Farbexplosion: Daminelli belebte mit warmen Farben dieses Haus in Venedig wieder
Nähe ist ein Begriff, der Venedig gut beschreibt. In dieser Stadt liegt alles dicht beieinander; das gilt auch für Viertel – eigentlich Sechstel – etwas abseits der Touristenströme. Das Sestiere Dorsoduro (von sesto, der sechste Teil) ist eines der versteckten Juwelen zwischen den verschlungenen Kanälen und Gassen der Serenissima. Dorsoduro verkörpert den venezianischen Geist, ist ein Schmelztiegel aus Geschichte, Kunst und Alltag, mittendrin und doch fernab des lauten Trubels. „Was mir hier besonders gut gefällt“, sagt Daniele Daminelli, „ist der Blick auf den Campo San Trovaso mit seinem Squero, der Werft, in der noch immer Gondeln in den jahrhundertealten Techniken gebaut und repariert werden.“ Doch das ist nicht das Einzige, was der in der lombardischen Stadt Treviglio lebende Architekt, Designer und Gründer von Studio 2046 an Dorsoduro schätzt. „Die Nachbarschaft funktioniert gut, die Menschen sind freundlich, außerdem ist eine der historischen Cicchetterie, der typischen Snackbars Venedigs, direkt nebenan.“
Bei der umfassenden Renovierung wurde auch die Fassade des Hauses am Campo San Trovaso neu gestrichen. Daniele Daminelli schlug für ein kräftiges, erdiges Sienarot vor.
Ein Modefotograf und eine Bühnenbildnerin beauftragten Daminelli mit dem Umbau. Den Auftrag, dieses an sich eher unscheinbare Haus zu sanieren und einzurichten, erhielt Daminelli vom Modefotografen Julian Hargreaves und der Regisseurin und Bühnenbildnerin Alessandra Cardone Alverà. Als er es zum ersten Mal betrat, befanden sich nur noch die Originalböden und die Holztreppe vom ersten zum zweiten Stock in gutem Zustand. Alle anderen architektonischen oder dekorativen Elemente glänzten durch Abwesenheit. Trotzdem hatte Daminelli gleich eine Vorstellung davon, wie er das Interieur gestalten wollte. Denn das Treffen mit den Besitzer:innen fand nicht in deren neuem Zuhause statt, sondern in jenem Museum, das seit 2022 dem spanischen Maler und Fotografen, Couturier und Textildesigner Mariano Fortuny gewidmet ist. Fortuny (1871–1949) verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Venedig – und Daminelli erhielt auch Zugang zum Fortuny-Archiv. So bot es sich doppelt und dreifach an, die Farbpalette von dessen verschwenderisch ornamentierten Stoffkreationen als Leitfaden für die Renovierung zu benutzen.
Das Treppenhaus trägt Blaugrün, die Etagen ändern ihre Farbtemperatur von kalt zu warm bis zum rosa Schlafzimmer unterm Dach mit Samt an den Schranktüren.
Die Farbexplosion wurde im Inneren des Hauses fortgesetzt
Grün dominiert den ersten Stock, so auch das Bad aus brasilianischem Marmor. Warm glimmen darin die Messingarmaturen – und ein weiteres Werk von Sophie Westerlind.
Die Fassade des Hauses wurde in einem süffigen Sienarot getüncht. Im Inneren ließ Daminelli die Temperatur der Farben von unten nach oben ansteigen. Dem Erdgeschoss mit dem Eingang, dem Treppenaufgang und einer kleinen Suite aus einem gemütlichen Wohnzimmer, einem Schlafzimmer und einem Bad verlieh er ein intensives Blaugrün. Im ersten Stock dominiert Grün in verschiedenen Variationen, sowohl im zweiten Schlafzimmer und dem angeschlossenen Bad als auch im Büro, das mit Hilfe eines Schlafsofas im Handumdrehen zum Gästezimmer umgewidmet werden kann. Die Treppe führt im zweiten Stock zu einer modernen, spacig schimmernden Küche, in der seidenmatt poliertes Messing und der alte, kleinteilig gemusterte Parkettboden den Grundakkord setzen.
Ehrensache, dass Daminelli auch im Schlafzimmer Stoff von Fortuny verwendete, um dem Raum einen festlichen Touch zu geben. Bettzeug und Überwurf: Society Limonta.
„Zum ersten Briefing trafen wir uns im Museo fortuny, das wurde zum roten Faden für die Renovierung.“
Daniele Daminelli
Die mit Samt verkleideten Schranktüren im Schlafzimmer der obersten Etage leuchten in tiefem Purpur – diesenFarbton konnte man schon in den Gemälden Tizians finden.
Nach dem Umbau wurden alle Räume wärmer und lebendiger
Die blockhafte Küche im zweiten Stock entwarf Studio 2046 in magisch glänzendem Messing; auch die Wände wurden einbezogen! Das kleinteilige Parkett ist alt. Auch das Wohn- und das Esszimmer auf dieser Etage strahlen unwiderstehlich Wärme und Geborgenheit aus. Terrakotta im Bereich zwischen Orange und Hellbraun sind die Wände; mit den grauen, abwechselnd vier- und achteckigen Steinfliesen am Boden ergibt das ein spannungsreiches Duett. Von hier überblickt man den Campo San Trovaso, von dem schon die Rede war, am besten. Und man sieht auch hinunter auf die Dachlandschaft Venedigs. Die wirkt noch eindrucksvoller, wenn man sich im kleinen, äußerst anheimelnden rosafarbenen Schlafzimmer auf der Etage darüber aufhält, der letzten des Hauses. Genau genommen handelt es sich dabei nicht um ein komplettes Geschoss, eher um einen Aufsatz aufs Dach. Aber auch da schließt sich ein eigenes Badezimmer an. Die Türen der Kleiderschränke hat der Architekt mit weinrotem Samt verkleidet – einer der Lieblingsfarben von Venedigs größtem Maler des 16. Jahrhunderts, Tizian.
Das Regal im Salon trägt den Fortuny-Damast „Glicine“, den Molteni-Schreibtisch entwarf Gio Ponti 1947. Sessel, Sofa und Tisch sind Fifties-Vintages. Teppich: Illulian.
Daminelli ließ sich für die Regale eine besondere Überraschung einfallen. Die Schränke, Bücherregale und Leuchten, die so perfekt zu diesem Haus passen, sind in den meisten Fällen tatsächlich Maßanfertigungen von Daminellis Studio 2046. Für die Regale ließ er sich etwas Spezielles einfallen: Er bezog die Rückwände mit Fortunys „Laotze“-Brokat. Dazu gesellen sich Designklassiker wie Gio Pontis Sessel „D.156.3“, den Molteni neu aufgelegt hat. „Zu einem bestimmten Zeitpunkt haben wir die Arbeiten an den Räumen unterbrochen, um zu sehen, wie sich die Möbel in ihnen machen“, erklärt Daminelli. „Das war sehr interessant, denn wir konnten beobachten, wie vielseitig dieses Haus ist.“
Im Wohnzimmer im zweiten Stock designte Daminelli die Hocker, Leuchten und das mit Fortunys Brokat „Laotze“ verzierte Bücherregal. Vasenduo von Massimo Micheluzzi
Das alles half ihm, Venedig auf eine neue Art kennenzulernen. Er besuchte nicht nur historische Orte wie „Harry’s Bar“ oder die „Trattoria da Romano“. „Julian und Alessandra zeigten mir die zeitgenössische Seite der Stadt“, sagt Daminelli. „Das fühlte sich an wie der Beginn einer wundervollen Freundschaft.“
Im Salon des zweiten Stocks steht Gio Pontis Sessel „D.156.3“. Die vier- und achteckigen Steinfliesen sind original, das Foto machte der Hausherr Julian Hargreaves.
„Das Schöne an diesem Projekt war, dass ich das faszinierende tägliche Leben in Venedig kennenlernen konnte.“
Daniele Daminelli
Auf der Tischplatte im Erdgeschoss-Wohnzimmer spiegelt sich ein Bild der schwedisch-italienischen Malerin Sophie Westerlind. Vasen von Massimo Micheluzzi.
Styling: Giulia Taglialatela
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