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Charmant improvisiert: So leben die Designer von Studio Oink in einem 200 Jahre alten Fachwerkhaus im Umland von Leipzig
Dieses Haus ist alles andere als perfekt – verkörpert aber für das Designduo von Studio Oink eine ganz besondere Form von modernem Luxus
Studio Oinks Fachwerkhaus auf dem Land: Improvisation statt Perfektion lautet hier die Devise.
Lea Korzeczek und Matthias Hiller von Studio Oink aus Leipzig haben sich einen Traum erfüllt: Neben ihrer Stadtwohnung in Leipzig besitzen sie nun ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus im Altenburger Land. Als sie das Haus entdeckten, war es in keinem besonders guten Zustand. Doch die beiden Designer sahen das Potenzial und waren sofort begeistert von der Idee, das historische Haus Teil ihrer eigenen Familiengeschichte werden zu lassen. Bei der Renovierung war es dem Paar wichtig, dass es das Haus schnell nutzen konnte: Anders als bei seinen professionellen Interiorprojekten für Kunden stand hier Perfektion nicht im Vordergrund; stattdessen setzten die beiden auf Improvisation und Kreativität.
Die Heizung des Hauses erfolgt ausschließlich über einen Kamin und den alten Herd in der Küche. Für Lea und Matthias ist dies kein Mangel, sondern vielmehr ein Luxus, der es ihnen ermöglicht, in enger Verbindung mit der Natur zu leben. Sie schätzen die Gemütlichkeit und die besondere Atmosphäre, die diese Art der Beheizung mit sich bringt.
Das Fachwerkhaus wird nicht nur zum Rückzugsort für die Familie, sondern auch zu einem kreativen Spielplatz für Korzeczek und Hiller. Sie genießen es, gemeinsam mit ihren Söhnen Joseph (8) und Jovin (4) an diesem besonderen Ort zu leben, zu arbeiten und neue Ideen umzusetzen. Das Haus spiegelt ihre Werte wider: Nachhaltigkeit, Kreativität und die Freude am gemeinsamen Leben in der Natur. So wird aus einem renovierungsbedürftigen Gebäude ein lebendiger Ort voller Erinnerungen und Erlebnisse. Wir haben die kreative Familie besucht.
Blick vom Flur in den Wohnraum bzw. die „Bohlenstube“. Naturholz-Fußboden aus einem kleinen bayrischen Sägewerk, Wände aus Kalkputz und Glätte. Deckenanstrich mit der natürlichen Mineralfarbe „Mattolin“ von Beeck. Sofa selbst gebaut von Matthias mit Kissen und einer Alpakadecke von By Mölle. Mini-Couchtisch aus der Studio-Oink-Serie „Dot Dot“. Der Sessel ist vintage von Knoll, die Deckenleuchte war bereits im Haus.
Wie haben Sie das Haus gefunden?
Lea Korzeczek: 2018 habe ich das Haus bei Kleinanzeigen gefunden – da finde ich eigentlich alles. Und dann habe ich gedacht, komm, wir gucken uns das jetzt einfach mal an, auch wenn es vielleicht nichts ist. Aber es hatte uns irgendwie sofort begeistert, insbesondere der Garten und die viele Fläche. Unser Sohn Joseph war damals erst zwei Jahre alt, und ich habe gedacht, dass das für ihn oder wenn noch mal ein Geschwisterchen dazukommt, wirklich ein schöner Ort sein könnte, um einfach draußen zu sein. Vor allem auch als Gegenpart zu unserer Stadtwohnung. Und dann haben wir uns das Haus näher angeschaut, und es sah natürlich ganz furchtbar aus. Also stockdunkel und ziemlich heruntergekommen.
Der erste schlechte Eindruck scheint Sie aber nicht vom Hauskauf abgehalten zu haben.
LK: Es war in keinem besonders guten Zustand und somit sehr günstig, aber wir konnten erkennen, dass die Substanz in Ordnung ist und man es direkt nutzen kann. Wir haben dann tatsächlich die erste Nacht nach dem Kauf direkt dort geschlafen, ohne Bad und ohne Warmwasser im Haus, aber es war trotzdem total schön. Für Joseph haben wir so ein kuscheliges Lager in der Bohlenstube gemacht.
Bitte klären Sie uns auf, was ist denn eine Bohlenstube?
Matthias Hiller: Das ist ein für diese Region, aber auch für die gesamte Oberlausitz ganz typischer Raum im Raum, komplett aus Holz. Die Bohlenstube war oft der einzige beheizte Raum in einem Haus, die Verkleidung von Decken, Boden sowie allen Seiten mit Holzbohlen dient einer Verbesserung der Wärmedämmung.
Der Umbau des Fachwerkhauses
Was war die größte Herausforderung beim Umbau?
MH: Während einer langen Periode des Leerstands hatte es vom Dach bis runter ins Erdgeschoss hineingeregnet. Somit mussten wir wegen des Wasserschadens, der dadurch entstanden war, viel Material austauschen. Bei den Arbeiten hat sich dann noch herausgestellt, dass auch die Giebelseite komplett von Ameisen zerfressen war, sodass wir die gesamte Wand abtragen mussten, außerdem stellten wir einen Hausbockbefall des Holzes fest.
LK: Als dann aber die Fassade im ersten Stock so ganz offen war, da haben wir uns gedacht, dass es doch eigentlich total schön wäre, wenn das offen bliebe. Denn plötzlich hatte man von dem jetzigen oberen Schlafzimmer aus einen unversperrten Blick direkt auf den Garten und über die gesamte Weite der Felder. Statt kleiner Fenster haben wir uns für ein großes entschieden. Matthias hat es ganz allein eingebaut, ich weiß auch nicht, wie er das gemacht hat.
Das Fachwerkhaus von 1822 im Altenburger Land, etwa eine Fahrstunde von Leipzig entfernt. Von außen ist noch viel zu tun, das große Fenster lässt bereits erahnen, dass im Inneren schon einiges passiert ist.
Bei dem Haus handelt es sich um ein Fachwerkhaus von 1822. Hatten Sie keine Bedenken, dass große, bodentiefe Fenster hier fremd wirken könnten?
MH: Es ist natürlich im ersten Moment schon etwas fremd, aber im Grunde genommen greifen die Fenster genau das Raster des Hauses auf, also auch von außen.
LK: Es gab viele Leute, die dachten: „Oh Gott, das kann man doch nicht machen!“ Aber wir haben immer gesagt, wir wollen kein
Museum
aus dem Haus machen, und es steht auch nicht unter Denkmalschutz, obwohl es von 1822 ist. Wir wollten einen lebendigen Ort für unsere Familie schaffen, und der darf sich auch verändern mit der Zeit.
Wie fühlt es sich an, in einem knapp 200 Jahre alten Haus zu leben? Die Proportionen und vor allem die Deckenhöhen sind ja doch anders als in modernen Häusern.
MH: Die Deckenhöhe ist natürlich gering, die ist kaum höher als zwei Meter dreißig. Das hat aber auch etwas Behagliches.
LK: Also ich wollte nie in einem Fachwerkhaus leben, ich komme aus Hessen, und da sind ja unglaublich viele Fachwerkhäuser, auch meine Oma ist in einem Fachwerkhaus aufgewachsen. Mir war das immer alles zu eng und zu niedrig, aber letzten Endes ist es eine Frage der Gestaltung. Inzwischen fühlt sich unser Haus für mich an wie eine freundliche Umarmung. Nach einem Tag dort bin ich tiefenentspannt.
Welche Gestaltungselemente haben aus dem dunklen, beengenden Haus einen Wohlfühlort gemacht?
LK: Durch die neuen großen Fenster, das Zusammenlegen einiger Räume und die frischen
Anstriche
ist es hier schon deutlich luftiger und freundlicher geworden. Aber wir sind noch lange nicht fertig! Es war für uns tatsächlich auch die Frage, ob wir das Haus in diesem Zustand schon zeigen wollen, weil das für uns als Innenarchitekten natürlich eigentlich nicht repräsentativ ist. Viele Dinge sind noch improvisiert und unfertig, zum Teil ist das dem Budget geschuldet, zum Teil, mit zwei Kindern, der fehlenden Zeit.
MH: Wir sind an die Renovierung so herangegangen, dass wir gesagt haben, wir wollen das möglichst schnell in einen Zustand bringen, in dem wir es als Familie direkt nutzen können.
Das etwas Unfertige, Rustikale steht tatsächlich im Kontrast zu Ihren sonstigen Projekten, vermittelt aber einen ganz besonderen Charme.
LK: Perfektion war hier nicht das Ziel. Wenn es zum Beispiel stürmt, hört man es, aber man spürt es auch, weil das Haus natürlich nicht komplett abgedichtet ist. Das heißt, von irgendwo zieht es immer mal, oder es pfeift der Wind durch den Ofen. Das ist aber total schön und gemütlich. Wenn wir im Winter hier ankommen, ist das Haus natürlich erst mal ausgekühlt. Dann setzen sich die Kinder ganz süß mit einem Sessel vor den Ofen und muckeln sich so richtig ein, gucken sich Bücher an, und das Feuer knistert. Aber klar, für viele wäre das hier gar nichts, wir hingegen empfinden das als Luxus. Man lebt hier, anders als in einem modernen, komplett isolierten Haus, mehr mit den Jahreszeiten, und das genießen wir sehr.
In dem Haus fühlt sich die Familie mit der Natur verbunden. Sie fühlen sich hier stärker mit der Natur verbunden?
LK: Ja, man nimmt die Jahreszeiten hier schon stärker wahr. Wenn man aus dem Fenster in den Garten schaut, sieht man, wie der Frühling beginnt, man sieht die Fülle des Sommers, dann sieht man, wie die Blätter herunterfallen, und später liegt eben der Schnee dort. Das ist schon wirklich schön, und ich merke auch, dass das für die Kinder total erfüllend ist. Die haben hier natürlich einen Raum und eine gewisse Freiheit, die sie so in der Stadt nicht haben.
Das klingt paradiesisch und dennoch: Wasserschaden, Ameisen, Hausbockkäfer – ihr Traumhaus wäre für manch anderen eine Albtraum-Aufgabe. Ihnen scheint das aber alles recht wenig ausgemacht zu haben.
MH: Natürlich mussten wir viele Sachen austauschen, die waren eben einfach kaputt. Das ist bei einem alten Haus einfach so. Und man muss sich damit anfreunden, dass man auch in Zukunft irgendwann mal wieder ein Stück von der Wand herausnehmen oder einen vom Hausbock zerfressenen Balken austauschen muss, das kann man nicht ändern.
LK: Ja, ich glaube, es ist wirklich eine Frage der Einstellung. Ich sehe den Ort, und dann habe ich so ein Bild im Kopf, wie das sein kann, und das trägt uns durch all die Herausforderungen hindurch. Selbst dem eigentlich unkomfortablen Anfang lag ein Zauber inne. Uns hat, glaube ich, auch immer angetrieben, dass wir das als Ort für uns, aber auch für die Kinder gestalten wollen, denen wir das hier irgendwann einmal hinterlassen wollen.
Gut, aber das sind ja schon ein paar Themen, die, glaube ich, vielen Leuten einen Schrecken eingejagt hätten.
LK: Ja, unseren Eltern auch (lacht). Aber das Gute an diesen alten Häusern ist ja, dass keine fragwürdigen Baustoffe verwendet wurden, wie beispielsweise bei Häusern in der jüngeren Vergangenheit, die mit Styropor oder Mineralwolle gedämmt worden sind, wo es wirklich anfängt zu schimmeln oder wo man giftige Substanzen entfernen muss. Das Haus hier besteht ja nur aus Lehm, Holz und Ziegelsteinen.
MH: Du kannst das Haus theoretisch nehmen und komplett einstampfen. Nichts davon ist Sondermüll. Für eine bessere Isolation haben wir oben noch eine Hanfdämmung eingebracht, also ebenfalls einen natürlichen Baustoff.
Wie wichtig war es Ihnen, natürliche Baustoffe zu verwenden?
LK: Sehr wichtig, denn diese natürlichen Baustoffe schaffen eine ganz andere Atmosphäre. Das fühlt sich anders an und und riecht tatsächlich auch ganz anders.
MH: Es ergibt keinen Sinn, alle Räume komplett zu beheizen, das hat man früher einfach nicht gemacht. Stattdessen hat man einen Raum geheizt, da haben sich alle aufgehalten, und da hat es nicht gestört, dass nicht das ganze Haus komplett isoliert war. Heute wird ein Haus gebaut, und das sieht solide aus, aber wenn du an die Außenwand klopfst, ist das nur Styropor.
Wie hat sich Ihr Lebensstil verändert, seitdem Sie das Haus haben?
LK: Kurz nach dem Hauskauf kam Corona, das war für uns insofern ganz wunderbar, weil wir dann hier aufs Land gefahren sind und sehr viel Zeit in unserem Haus verbracht haben. Unser zweiter Sohn Jovin kam 2020 auf die Welt, und dann war hier plötzlich alles zu eng und zu unkomfortabel. Nach der ersten großen Renovierung ist es aber für uns immer mehr zu einem richtig schönen Ort geworden, an dem wir jedes Wochenende verbringen – und gerade im Sommer ist es natürlich wirklich traumhaft, dort zu sein.
MH: Ja, das ist ein schöner Ausgleich. Da freust du dich, deine Zeit auf dem Land zu verbringen, zu entspannen und handwerkliche Sachen zu machen. Und dann, wenn du lange Zeit dort bist, freust du dich auch mal wieder auf die Stadt. Es ist eine gute Ergänzung.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne für das Haus aus? Besteht die Option, dauerhaft dorthin zu ziehen?
MH: Langfristig haben wir natürlich auch darüber nachgedacht, wenn die Kinder mal ausziehen, dann könnte man sagen, man zieht dahin. Dann müssen wir natürlich noch etwas umbauen, damit es wirklich alltagstauglich ist. Und wir könnten uns auch vorstellen, in den Garten irgendwann mal einen Neubau hinzusetzen, einen kleinen Riegel als Studio. Also das wäre machbar.
LK: Das Land hat so viele Vorteile, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass es mir vielleicht so ein bisschen auch diesen Zauber von dem Ort nehmen würde, wenn wir dauerhaft dort leben würden.
Vase von Vitra (Bouroullec) mit Blumen aus dem Garten, daneben kleine Keramikobjekte von Studio Oink. Der Hampelmann ist ein Flohmarktfund.
Lea Korzeczek und Matthias Hiller von Studio Oink mit ihren Söhnen Jovin (4) und Joseph (8).
Hier war früher der kleine Stall: Blick von der Küche zum Essplatz, links gehts es in den Wohnraum. Hiller und Korzeczek verlegten hier einen Naturholz-Fußboden, glätteten die Wände mit Kalk und entfernten die Decke zum Dachboden. Möbel aus dem Bestand und vom Flohmarkt, die Deckenleuchte ist eine selbst gebaute Zwischenlösung. Mini-Schleifen aus Keramik an der Wand ebenfalls von Studio Oink
Den ehemaligen Dorfteich bzw. sogenannten „Löschteich“ samt umliegender Gartenfläche hat das Paar inzwischen noch dazugekauft.
Der von Matthias Hiller selbst gemauerte Kaminofen ist, neben dem alten Küchenherd, die zentrale Heizquelle des Hauses.
Das bodentiefe Fenster Richtung Garten soll eines Tages durch eine große Tür ersetzt werden.
Küchenofen aus dem Bestand des Hauses, der nicht nur Deko ist, sondern oft zum Kochen und Backen genutzt wird und die Küche und den Essbereich beheizt. Teekanne von Matthias Hiller und Christel Kiesel in Handarbeit gefertigt, Steinzeug mit Salzglasur und teilweise Lehmglasur.
Die Holztreppe ist aktuell grau lackiert. Unter der Treppe soll noch ein Schrank eingebaut werden. Wände: Kalkglätte. Fußboden: gegossener Kalkestrich.
Haus vom Teich aus gesehen mit seitlichem Anbau, in dem sich eine kleine Werkstatt sowie eine kleine Keramikwerkstatt samt Brennofen befindet. Das gesamte Haus soll von außen noch komplett saniert werden, ebenso der Anbau.
Obere Etage, Flur: Die Wände sind lehmverputzt, Kunst von Elly Dijkshoorn. Die linke Tür aus dem Bestand führt ins Bad, die rechte Tür führt durch ein kleines Zimmer auf den Dachboden, der aktuell noch ausgebaut wird. Deckenleuchte: Vintage Midgard
Provisorisches Familienbett im Schlafzimmer. Der Holzboden, die Lehmwände sowie die Fenster des Raumes sind bereits neu, die Decke soll noch gedämmt und gestrichen werden. Tischleuchte Danilo & Corrado Arnoldi für Stilnovo „Periscope Desk Lamp“
Der obere Garten gegenüber dem Haus und seitlich der Dorfkirche gelegen, grenzt direkt an das Feld und umfasst ca. 700 Quadratmeter, auf denen viele Obstbäume stehen.
Schlafzimmer mit Vorhängen By Mölle. Das Bild der Sixtinischen Madonna von Raffael hing bereits im Haus und hat eine persönliche Bedeutung für das Paar. „Es war für uns wie ein Zeichen, dass es im Eingang des Hauses hing. Wir haben es in einen einfachen Holzrahmen gesetzt und ins Schlafzimmer gehängt.“
Schlafzimmer mit provisorischem Ankleidebereich.
Badezimmer mit gedämmter Decke in selbst gebauten Holzkästen. Die Dämmung, wie auch im Dach: „Thermo Hanf Combi Jute“. Lampe improvisiert, schwarzer kleiner Schrank aus Bestand wieder hergerichtet. Kunst an der Wand von Sohn Joseph, Badewanne aus dem Bestand, Holzbank vom Antikmarkt.
Blick vom Haus hoch in den Garten, in dem die Familie ein „Baumhaus“ für die Kinder errichtete, zu dem ein Weg aus Sandsteinstufen führt, die das Paar neu verlegte.
Blick in die Küchennische mit improvisierter Küchenzeile in Richtung Flur. Hier war ursprünglich der Kücheneingang, jetzt lässt ein altes Fenster, gestrichen mit Beeck Mattolin, Licht in den Raum. Spüle aus dem Bestand, Armatur Blanco Culina, Wandlampe Fontana Arte Scintilla, Vorhang By Mölle.
Das alte Fachwerkhaus mit Anbau.
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