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Dieser Umbau war ein wahrer Kulissenwechsel: Richard Peduzzi inszenierte eine Wiener Altbauwohnung völlig neu
Richard Peduzzi ist eine Art Universalspezialist, er ist Architekt, Bühnenbildner, Möbeldesigner und Maler. Mit 82 hat er nun sein erstes Interiorprojekt vollendet. In Wien zeigt der Pariser, wie man einen klassischen Altbau heiter ins Heute hebt
Richard Peduzzi verlieh einer Wiener Altbauwohnung eine völlig neue Identität
Um diese Wohnung zu verstehen, ist ein kurzer Exkurs in die Biografie ihres Gestalters hilfreich. Auch inzwischen 82-Jährige können noch immer polyamore Revoluzzer sein – Richard Peduzzi ist so einer. Schon früh zeichnete sich ab, dass die Lebensliebe des Franzosen nicht eindimensional werden würde, sondern vielem gilt: Er studierte in Paris zunächst an einer Zeichenakademie, widmete sich dann aber der Malerei. Schnell jedoch wurde ihm das Stehen an der Staffelei fad, und er wählte das Bühnenbild als sein Medium: „Das umfasst zeichnen, lesen, Musik hören und die Augen für die Welt offen zu halten.“
Richard Peduzzi steht hier im Wiener Wohnzimmer vor einem Gemälde von Miriam Cahn („Haus von innen“, 2013) und einem Schwarz-Weiß-Bild der New Yorkerin Sarah Crowner („Peninsula“, 2020).
Richard Peduzzi gelingt es, eine Wiener Altbauwohnung wie eine große Oper zu inszenieren
Für Theater, Oper und Film erschuf er zahllose Räume; die in Deutschland vielleicht berühmtesten sind bis heute die Kulissen für den „Jahrhundertring“ 1976 bei den Bayreuther Festspielen: Peduzzi ist da gerade 33, Regisseur Patrice Chéreau 31 Jahre jung; die unkonventionelle Inszenierung des Duos führt zu wüsten Flugblattaktionen dagegen, zu Unterschriftenlisten, ja gar zu Schlägereien auf dem Grünen Hügel. Es gehört Mumm dazu und tiefes Vertrauen, einem solchen Mann eine typische Wiener Altbauetage in einem Neobarock-Denkmal anzuvertrauen (der mutige Bauherr, ein Opernliebhaber, Kunstsammler und seit Langem bekannt mit Peduzzi, möchte nicht genannt werden).
Die verträumte Wandlandschaft im Salon stammt von Jongsuk Yoon; die südkoreanische Künstlerin kreierte vergangenes Jahr für das Wiener Mumok ein riesiges Panorama.
Denn Peduzzi ist so überhaupt nicht der Typ, der unter historischen Stuckdecken diskret ein bisserl Moderne einflicht und den traditionellen Grundriss mikroinvasiv modifiziert. Bei ihm fallen alte Wände, fliegen originale Böden und Deckenornamente raus, er denkt die gesamte Kubatur völlig neu.
Eiscremetöne (alle Farben stammen vom Hersteller Argile) prägen den ovalen Salon mit Marketerie-Stühlen und einem intimen Tischrund, dessen Form sich im Kronleuchter wiederholt – und in Peduzzis „Mikado“-Teppich. Auf der Hausbar stehen Modelle des maßgefertigten Mobiliars. Neben der Tür hängt ein Friedensreich Hundertwasser, darüber eine Arbeit der neuen Kaiserring-Trägerin Miriam Cahn.
Ein runder Salon bildet das Zentrum der Wohnung
Vom ovalen Salon geht es nun rechter Hand ab in nützliche Bereiche wie Küche und Co., links führt eine Flügeltür ins Esszimmer und von dort eine weitere in den Wohnraum – zusammen sind diese öffentlicheren Flächen fast 130 Quadratmeter groß, eine fabelhafte Enfilade. Als zentrales Scharnier dient der besagte Salon zur Straße. In dessen heiterem Rund zeigt sich, was die Wohnung charakterisiert: zuallererst schwungvolle, riesige Lüster, maßgefertigt aus Messing, plus dezente Deckenschienen, um, wie am Theater, verschiedene Lichtstimmungen möglich zu machen. Dann das neue elegante Eichenparkett – alle Zimmer zeigen unterschiedliche Verlegemuster; kleine Keramikeinleger sorgen für kecke Farbtupfen auf diesen Boden-Bühnen.
Das Canapé mit Harlekin-Muster schmiegt sich an die Wand des ovalen Salons und findet sein Pendant in den Fenstervolants, die an Ritterspektakel in Technicolor-Filmen erinnern. Alle Möbel wurden von französischen Manufakturen gefertigt.
„Der Bauherr, ein Opernliebhaber, schenkte mir immense Freiheit. Wir schätzen uns schon seit zehn Jahren.“
Richard Peduzzi
Hinzu kommen Pastelltöne (auch als Streifen und Salmis auf Mobiliar und Stoffen), die subtil sämtliche Wände fassonieren. „Das Farbkonzept ist eine Art sanfte Flugroute durchs Apartment, ich habe es mit meiner Tochter Antonine entwickelt.“ Und last, not least Möbel und Teppiche, die das gesamte Interior prägen – und auch in den Sammlungen des Mobilier national enthalten sind, einer gewaltigen Kollektion aus Mobiliar für Frankreichs Regierungsgebäude und Museen vom 17. Jahrhundert bis heute. „1989 erhielt ich meinen ersten Auftrag vom Mobilier national, es folgten rund 30 weitere, etwa Sitzmöbel für den Louvre.“
Im Esszimmer schwebt über dem eigens designten Eichenensemble für größere Dinner ein gewaltiger Messing-Lüster, den man (nach etwas Akrobatik) nur mit Kerzen nutzen kann – Peduzzi legt, wie bei seinen Bühnenbildern, viel Wert auf Lichtstimmungen. Arbeiten von Sean Scully flankieren die Flügeltür in den ovalen Salon.
Geometrie im Familienzimmer: Den Ausblick in den Hof kaschieren ein zarter Vorhang und dahinter 15 farbige Glasscheiben, deren Töne sich in den Parketteinlegern wiederfinden. Peduzzis 1992 entworfener Tisch „Pyramide“ aus Eiche auf Metallstruktur und seine Stühle feiern Rhombus, Rechteck, Quadrat und Polyeder. Trinkservice von Josef Hoffmann für Lobmeyr, 1914.
Handwerkskunst und erstklassige Kunstwerke gehen Hand in Hand
Ein Tisch aus Eiche auf Metallstruktur besteht aus zwei aufeinander balancierenden Pyramiden; Sitzgelegenheiten aus Holz oder Eisen feiern Rhombus, Rechteck, Quadrat und Polyeder, très postmodern. Seine großen Teppiche wiederum erinnern an die starkfarbigen Gemälde-Geometrien von Paul Klee oder dem Fauvisten Alfred Marquet. Nun treten sie in Dialoge mit den grandiosen Kunstwerken des Besitzers.
Die extra angefertigten, riesigen Sechseckfliesen oben entwarf Peduzzi speziell für die Wiener Küche, ihr zartes Grün soll an junge Pflanzen erinnern. Vier Jahre dauerte der Umbau, allein zwölf Monate nahmen die strukturellen Arbeiten und die Technik in Anspruch; etwa alle zwei Wochen schaute Peduzzi vorbei. Als langjähriger Direktor der École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris und der Akademie Villa Medici in Rom und als weltweit gefragter Szenograf ist er das Reisen gewöhnt.
Die Fliesen im Bad gestaltete Peduzzi ebenfalls selbst.
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