查看完整案例

收藏

下载
Architekt Peter Kurz richtete für ein Paar diese Altbauwohnung in Berlin ein.
Ein ungeschriebenes Gesetz des Interiordesigns lautet: Eine Wohnung ist immer auch der Spiegel eines gelebten Lebens. Und in dieser Hinsicht hat Carl Norman Vökt einiges zu bieten. Vor 15 Jahren hatte er sich einen Traum erfüllt, ein Sabbatical genommen, ein Haus in Buenos Aires gekauft und zu einem exklusiven Bed & Breakfast umgebaut. Später, als er wieder in seinen angestammten Beruf ging und anfing, bei einer Bank in Prag als Risikomanager zu arbeiten, pendelte er mindestens sechsmal im Jahr zwischen den Kontinenten hin und her. „Man kann es vielleicht mein Hobby nennen“, sagt Vökt, „aber ich gehe in meiner Freizeit gern in Antiquitätengeschäfte und auf Flohmärkte, um dort herumzustöbern.“ Da kommt schon einiges zusammen, vor allem wenn man wie er ein eklektischer Sammler im wahrsten Sinne des Wortes ist. Einer, den alles interessiert, Hauptsache, es gefällt ihm. Etymologische Wörterbücher erklären den Begriff mit dem altgriechischen Plural eklektikoí, was so viel heißt wie „Philosophen, die aus den Lehrsätzen anderer Schulen einzelne auswählen“. Auch Vökt wählte aus, und er kannte dabei keine Grenzen, keine Ehrfurcht vor großen Namen, maß weder Prestige noch Wertzuwachs Bedeutung bei. Er folgte nur seinem hoch entwickelten ästhetischen Empfinden.
In dieser Altbauwohnung in Berlin treffen Vintage-Möbel auf Kunst und etwas Messing
Vor fünf Jahren verkaufte er dann das Haus in Buenos Aires wieder. Die ständige Fliegerei setzte ihm zu (die argentinische Steuergesetzgebung tat ihr Übriges), und auf einmal waren da die ganzen Bilder und Skulpturen aus Südamerika, die persischen Teppiche und die Florence-Knoll-Sofas, das Kuriose und das Gloriose, die alle ein neues Zuhause brauchten. Die Aufgabe, in Vökts Wohnung in Berlin-Steglitz High und Low, Kunst und Volkskunst, Säkulares und Religiöses zu einer betörenden, unüberschaubaren Einheit der Vielheiten zusammenzuführen, fiel dem Architekten Peter Kurz zu. Obwohl es „Kooperation“ wahrscheinlich besser trifft.
Im Wohnzimmer erhält man einen Eindruck, was über die Jahre bei einem Menschen mit allumfassenden Interessen und einem Faible für Antiquitätenläden zusammenkommt. Das Vintage-Sofa ist von Florence Knoll, der Tisch von Peter Kurz, alles andere sind namenlose Schönheiten aus dem Reich eines eklektischen Sammlers.
Hiepler, Brunier
Peter Kurz schuf aus der Küche ein Gästezimmer
„Es war ein Geben und Nehmen“, sagt Carl Norman Vökt, „und das hat sehr gut funktioniert.“ Kurz und er kennen sich seit Langem. Vor etwa zehn Jahren hatte Kurz schon einmal ein Pied-à-terre für Vökt gestaltet. Damals handelte es sich um eine vergleichsweise kleine Wohnung, 75 Quadratmeter, zwei Zimmer, Küche, Bad, in der Linienstraße in Mitte. Bevor sie sich in das neue Abenteuer stürzten, besprachen die beiden ein paar ganz konkrete Wünsche. „Zum Beispiel war ihm das Selberkochen nicht so wichtig“, erinnert sich der Architekt, „aber er wollte diesmal ein echtes Gästezimmer haben.“ Also teilte er die vorhandene große Küche in zwei annähernd gleiche Hälften, um dafür Platz zu schaffen.
Die alte Küche teilte Peter Kurz in zwei Hälften, in einer davon übernachten nun die Hausgäste. Tapete:„Jagmandir“ von Osborne & Little, das Gemälde ist eine seitenverkehrte Kopie von Tizians „Pomona“.
Hiepler, Brunier
Und Vökt wollte auch ein Badezimmer en suite direkt neben seinem eigenen Schlafzimmer. Seit er für Wolfgang Joop 2010 eine Maisonette-Wohnung designte, ist Peter Kurz bekannt als Innenarchitekt mit Sinn für den großen Auftritt. Hier wählte er für die Wände, den Boden und das Waschbecken spektakulär schön gezeichneten Calacatta-Marmor, dessen feine goldgelbe Adern hervorragend zu den Messingarmaturen passen.
Messing hat einen besonderen Glanz, deswegen verwendete Kurz das Metall auch im roten Gästebad.
Hiepler, Brunier
Und täglich grüßt die Madonna
Auf dem Wunschzettel standen auch eine Kassettendecke für das Esszimmer und eine Rundnische für eine von Vökts Plastiken. Für beides fand Kurz ideale Lösungen: Die Holzdecke im Esszimmer nimmt historische Vorbilder auf, trägt aber in sich keine der einst typischen Ornamente und ist deshalb unschwer als zeitgenössisch zu erkennen. Und die runde Nische ließ er am Ende des langen Flures einbauen, wo es früher zu den Dienstbotenkammern ging. Dort steht jetzt eine Madonnenfigur aus Pappmaché und begrüßt den Besitzer, seinen Lebensgefährten Robert Kowalski und ihre Gäste, wenn sie zweimal im Monat übers Wochenende von Prag nach Berlin fahren.
Die Madonna in der Flurnische ist aus Pappmaché.
Hiepler, Brunier
Damit sie sich hier auch sonst so wohl wie möglich fühlen, entwarf Peter Kurz Wandschränke für die Ankleide, die er mit auf Maß geschnittenen Tapeten der Serie „Paysage champêtre“ von Papiers de Paris verkleidete. Er baute die Möbel in der Küche, versah den Sockel im Esszimmer, der eigentlich mit Holzpaneelen verkleidet werden sollte, mit im Halbdunkel des Abends glimmender Messingfarbe.
Die Küche wurde mit Farrow & Balls „Down Pipe“ gestrichen.
hiepler,brunier
Neben den Vintage-Möbeln arbeitete Peter Kurz auch mit Messing
Das von ihm so geschätzte Messing taucht auch im kleinen, rot gestrichenen Gästebad auf, die Dielenböden erhielten eine dunkle Beize, welche die Maserung des Holzes effektvoll betont. Im Zusammenspiel mit den grau gestrichenen Wänden geben diese Farben der Wohnung eine ausgesprochen elegante, aber auch dezidiert maskuline Ausstrahlung. Im großen Wohnzimmer brachte Kurz an der Decke Stuck an, der an einen Laubengang erinnert („Ich wollte, dass es aussieht wie ein Gartenzimmer“), strich die Wände und Decken mit Farben von Little Greene und Farrow & Ball.
Vor dem grossen Schlafzimmer installierte Peter Kurz eine Ankleide und Bibliothek, für die er die maßgefertigten Einbauten entwarf.
hiepler,brunier
Vor seinem Studium hatte Kurz eine Ausbildung zum Tischler absolviert. Auch wenn er selber nicht mehr Hand anlegt, ist ihm Holz als Material immer noch nah. Deshalb fiel es ihm nicht schwer, am Kopfende des Bettes im großen Schlafzimmer hölzerne Wandpaneele anzubringen. Sie strukturieren den fast vier Meter hohen Raum, nehmen ihm die Härte und sorgen für Wärme und Behaglichkeit.
Die kassettendecke im Esszimmer entwarf der Berliner Peter Kurz, seine Idee war auch der umlaufende messingfarbene Wandsockel. Die Möbel, die Leuchten, der Teppich und die Bilder an den Wänden stammen aus dem Fundus des Hausherrn, der im Moment die meiste Zeit über in Prag lebt.
hiepler,brunier
Für die originalen Türen aus der Zeit um 1890 verwendete Kurz einen dunkelgrauen Öllack („Der macht die Oberflächen lebendiger als die gängigen schnell trocknenden Acrylfarben“), er legte die Kappendecke im zweiten Flur frei, und auch die Bibliotheksschränke im Durchgangszimmer im vorderen Teil der Wohnung sind von ihm. So brachte Peter Kurz die unterschiedlichen Kräfte, die hier wirken, in eine delikate Balance: die Reize des Altbaus und den Glanz der Gegenwart, das sinnliche Wirrwarr des umherschweifenden, allumfassenden Interesses des Hausherrn und den eigenen ordnenden Blick des Architekten. Das Resultat ist wie eine Schmuckschatulle, nur sehr viel größer.
An den Türen des Kleiderschranks von Carl Norman Vökt und seinem Lebensgefährten Robert Kowalski brachte er die Tapete „Paysage champêtre“ von Papiers de Paris an.
hiepler,brunier
Realisation: Thomas Skroch